It's a new dawn, it's a new day
Eine Abschiedsrede aus dem Winter 2026
Moin!
Ich bin W., noch 53 jahre alt und trotz der 13x Wochen Langzeittherapie noch Alkoholiker.
Als ich über meine Abschlussrede nachgedacht habe, fielen mir plötzlich folgende Sätze aus der Jugend ein.
Ja! diesem Sinne bin ich ganz ergeben,
Das ist der Weisheit letzter Schluß:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muß.
Die Freiheit bedeutete und bedeutet für mich nichts anderes als die volle Unabhängigkeit von Allem und allen. Und wat nu mit 53 Jahren? Diagnosen: F10.2 und F17.2 - Chronische Abhängigkeiten vom Alkohol und Tabak. Endstation.
Die Reise der Selbsterkenntnis dauerte meines Erachtens zu lange.
- Vor 12x Jahren bemerkte ich, dass ich mich mit Paar Drinks mehr amüsieren kann als mit einem Buch/Film/Sport/Reisen oder Freund.
- Vor 5x Jahren war ich noch überzeugt, dass ich die Sucht allein bekämpfen kann.
- Vor einem Jahr war ich mir sicher, dass die kurzen Entgiftungen je 2x Wochen Alles regeln werden...
… bis Sommer 2025. Da war Schluss mit „lustig“. Psychisch und physich am Ende ist mir klar geworden, dass „die Zeit ALLEIN heilt nicht die Wunden“.
Lange Rede, kurzer Sinn => Ab dem 9. August 2025 startete ich den Weg der Abstinenz:
- Erstmals 1x Monat qualifizierter Entzug.
- Im Anschluss eine abstinente 2,5-monatige Wartezeit (des Antrag an die DRV für die Langzeittherapie)
- Ab Ende November 2025 bis heute – FKH Hansenbarg
Rückblickend, war das die besteEntscheidung der letzten 12 Jahren um den langen Weg der Abstinenz mit professioneller Hilfe antretten zu können und wollen.
Ich danke herzlich dem ganzen Hansenbarg-Team für die Proffessionalität, Mühe und Hingabe! Insbesondere: Frau H., Herrn W. und Herrn M. Sie haben mich mit den Werkzeugen und Fähigkeiten ausgestatten um die Krankheit in Griff zu bekommen. Jetzt liegt es an mir - diese konsequent und quasi täglich zu nutzen.
Ich danke einigen Mitpatieneten für den offenen und ehrlichen Austausch. Ich gebe es zu, dass ich die anderen Meinungen nie wirklich geschäzt habe… im Hansenbarg habe ich erkannt, wie wichtig die Gruppe ist. Also, geht es die nächsten 12x Monaten mit der ambulanten Weiterbehandlung, die eine Selbsthilfegruppe sowie Einzelgeschpräche mit einem Therapeuten behinhalten, weiter.
Am vergangen Mittwoch habe ich von der Tagesmenü-Taffel folgenden Spruch geschnappt:
Beginne, wo du bist.
Nutze, was du hast.
Tu, was du kannst.
Kurz, knapp und verständlich.. Ich finde es sehr passend zum Beginn eines neuen Lebensabschnittes.
Und zum Schluss, fast musikalisch :-), beende ich meine Rede mit einem Songausschnitt:
It's a new dawn
It's a new day
It's a new life
For me
And I'm feeling good!
Dieses Gefühl wünsche ich jedem hier.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!