An die Stimme, die verstummt
Abschiedsworte aus dem August 2026
Ein Geräusch aus Stille und Leere. Ein Glucksen, das an das Ertrinken erinnert. Betörend wie
der Gesang einer Meerjungfrau, mit trügerischen Versprechen und der Verheißung, sich selbst
in ihren anmutigen Verlockungen zu verlieren.
Du warst der Fluss, der Mauern um mich errichtete. Du hieltest mich in den Depressionen
gefangen, trenntest mich von den Menschen, die ich liebe, und von der Liebe zu mir selbst.
Doch durch dich und die giftigen Gefühle, die du mir mitgegeben hast, habe ich auch etwas
gefunden: den Weg zurück zu mir selbst.
Durch all die Ereignisse und die Tiefe, in der ich mich befand, sehe ich heute das Licht
meiner Zukunft. Und selbst für dich ist noch ein kleiner Funke Licht geblieben. Denn dich
vollständig aus meinen Gedanken zu verbannen oder dir aus dem Weg zu gehen, wird mir
wohl nie gelingen.
Was mir jedoch gelingen wird, ist, mir selbst gegenüber immer ehrlich zu sein und dir mit
Respekt zu begegnen, als Teil meiner Reise zu mir selbst. Mein Verstand und mein Herz
haben gelernt, dich zu akzeptieren.
Ich habe nur eine Bitte an dich:
Erhebe bei deinem Gesang deine Stimme nicht über die meine.
Denn meine Stimme ist wahr.
Sie singt die Wahrheit.
Und deshalb wünsche ich mir Klarheit durch Wahrheit und Wahrheit durch Klarheit, einen
Ort, an dem dein Gesang verstummt.
Dort ist dein Platz.
Sicher verschlossen in deiner Flasche.
Auf dem Weg meiner Reise wurde der eigentliche Grund gefunden, warum meine Gedanken
einst wie ein reißender Fluss voller unzähliger Abzweigungen waren. Es war nicht immer der
Alkohol.
Heute darf dieser Fluss ruhiger werden.
Er verwandelt sich in einen klaren Bach, der seinen Weg gefunden hat.
Nicht gegen den Strom.
Sondern mit ihm.
Ich nehme Abschied.
Nicht von den Erinnerungen.
Nicht von der Dankbarkeit.
Aber von dem Schmerz, den ich so lange mit mir getragen habe.
Dein Reisender, Thomas.
Im Vorfeld möchte ich mich ganz herzlich beim gesamten Hansenbarg-Team bedanken.
Bei der fleißigen Putz- und Wohlfühltruppe, bei all denen, die hier mit Mörtel, Schrauben und
wahrscheinlich manchmal auch einer ordentlichen Portion Improvisationstalent alles
zusammenhalten, bei den Therapeuten, den Mitarbeitern im Hintergrund, der Stiftung, einfach
bei ALLEN!
Sie alle machen hier einen großartigen und unglaublich wichtigen Job.
Lassen Sie sich das bitte auch von uns Patienten nicht ausreden. Wir meckern schließlich
manchmal auf hohem Niveau :-)
Für Ihre Arbeit, Ihre Geduld, Ihr Engagement und dafür, dass Sie diesen Ort zu dem machen,
was er ist: Von Herzen: DANKE!
Ihr Lieben,
wenn ich auf meine Zeit hier zurückblicke, nehme ich vor allem eine Erkenntnis mit:
Wir sind alle mit unterschiedlichen Geschichten hier angekommen.
Mit unterschiedlichen Verletzungen, Ängsten, Fehlern und Gründen.
Aber eines verbindet uns:
Wir hatten den Mut, hinzuschauen.
Wir haben hier Menschen erlebt, die gefallen sind und wieder aufgestanden sind.
Menschen, die geweint, gelacht, gezweifelt, gehofft und gekämpft haben.
Und vielleicht müssen wir am Ende gar nicht als völlig neue Menschen nach Hause gehen.
Vielleicht reicht es, wenn wir als Menschen gehen, die sich selbst ein Stück besser kennen
und die verstanden haben, dass Veränderung nicht bedeutet, nie wieder zu fallen.
Sondern wieder aufzustehen.
Ich wünsche jedem Einzelnen von euch den Mut, ehrlich zu sich selbst zu bleiben.
Den Mut, Gefühle nicht mehr zu betäuben, sondern sie zuzulassen.
Den Mut, Hilfe anzunehmen.
Und vor allem den Mut, das eigene Leben wieder wirklich zu leben.
Denn egal, wie dunkel es hinter uns manchmal gewesen sein mag:
Unsere Vergangenheit erklärt, warum wir hier angekommen sind.
Aber sie entscheidet nicht, wohin wir von hier aus gehen.
Danke für die Begegnungen, die Gespräche, das gemeinsame Lachen und auch für die stillen
Momente.
Passt auf euch auf.
Und wenn der Weg draußen einmal schwer wird, erinnert euch daran:
Wir sind nicht hierhergekommen, weil wir schwach waren.
Wir sind hiergeblieben, weil wir den Mut hatten, etwas zu verändern.
Ich wünsche euch von Herzen alles Gute für euren weiteren Weg.
Und vor allem: Geht ihn.